Positive Erfahrungen mit dem irischen ISP Magnet

(2011-10-26)

Überblick und Verfügbarkeit

Wasser, Strom und Heizung sind bei Apartments in Irland oftmals standardmäßig im Mietpreis enthalten, weiterhin sind Wohnungen normalerweise möbliert. Das einzige, was also offensichtlich fehlt, ist Breitband-Internet :-). Es gibt einige ISPs, die in Dublin verschiedenste Arten von Internetzugang anbieten. Deutlich weiter als auf dem deutschen Markt (soweit ich das beurteilen kann) ist WiMAX, was von imag!ne angeboten wird. Ansonsten gibt es Kabel, UMTS, Fiber to the home (in wenigen Gebieten) und natürlich ADSL. Interessanterweise ist das UMTS-Netz übrigens sehr latenzarm im Vergleich zu den deutschen Netzen, die ich bisher benutzte. In der Regel hatte ich Pingzeiten von ca. 75 ms (bei Three) bis zu 50 ms (bei vodafone). Einige Iren haben deshalb garkeinen drahtgebundenen Internetanschluss, sondern gehen über USB-Modems online.

Leider sind die Verfügbarkeitstests auf den Websites der meisten ISPs so ausgelegt, dass man entweder eine Festnetzrufnummer braucht (in meiner Wohnung ist kein Telefon angeschlossen) oder der Test kannte meine Adresse nicht. Am Telefon konnte man mir dann aber weiterhelfen: ADSL2+ mit bis zu 24 MBit/s sei verfügbar. Am 30. September habe ich also bestellt (telefonisch, man muss nichts unterschreiben oder sonstige Nachweise erbringen, was für irische Verhältnisse untypisch ist) und erhielt kurze Zeit später die Bestätigung via E-Mail. Überrascht war ich, als ich am selben Tag auch eine SMS bekam, in der mich Magnet (der ISP) als Kunde begrüßte und mir versprach, binnen 10 Werktagen die Leitung zu schalten. Von einem deutschen Unternehmen hätte ich das nicht erwartet, oder, wenn überhaupt, für eine zusätzliche SMS-Gebühr ;-).

Anschluss der Leitung

Wenige Tage später erreichte mich dann per Post das Welcome Pack - ein Modem, Telefonkabel, Netzwerkkabel, Netzteil und ein spärliches Handbuch, wie man mit Windows und Mac OS X die WLAN-Verbindung einstellt. Zu diesem Zeitpunkt funktionierte der Anschluss noch nicht; die Link-LED blinkte noch nichtmal (laut Handbuch blinkt sie beim Versuch, sich zu synchronisieren). Auf telefonische Nachfrage hin teilte man mir mit, dass am 13. Oktober der Anschluss von Eircom (dem Äquivalent zur Telekom) geschaltet würde und dass die Leitung vorher einfach tot sei, ein ausbleibender Synchronisierungsversuch also normal.

Am 13. rief mich dann gegen Mittag auch tatsächlich ein Techniker von Eircom an und fragte, ob ich zuhause sei. Das sei zwar nicht unbedingt nötig, aber es würde ihm helfen, denn er hat die Leitung im Exchange geschaltet und würde nun gerne testen, ob bei mir auch etwas ankommt. Wenige Minuten später demontierte er dann die Buchse an meinem Telefonanschluss und stellte fest, dass das Testsignal (ein Piepsen) ankommt. Er schraubte die Buchse wieder an und erklärte mir, dass er in ca. 30 Minuten wieder beim Exchange sei, das Testsignal abstellen werde, und anschließend mein Zugang funktionieren sollte.

Genauso verhielt sich das dann auch. Etwa 30 Minuten später blinkte die Link-LED und stellte eine Verbindung her :-). Die ganze Erfahrung fand ich ziemlich positiv. Bei deutschen Anbietern meldet sich (meiner Erfahrung nach) bei der Leitungsanschaltung kein Techniker und das Signal wird auch nicht verifiziert. Dass die Leitungsanschaltung problemlos klappte, hätte ich auch nicht unbedingt erwartet. Die Garantie von 10 Werktagen wurde damit einwandfrei eingehalten.

Das Modem

Das von Magnet bereitgestellte Modem stellt WLAN bereit und bietet Anschlussmöglichkeiten für 4 Ethernet-Kabel, ein USB-Gerät und zwei Telefone. Von der Funktionalität her zu urteilen ist es also Router und Modem in einem. Allerdings bekam ich (bevor die Leitung geschaltet war) keine Adresse via DHCP zugewiesen. Beim Starten des Modems meldet es sich kurz unter der Adresse 192.168.1.1, antwortet aber nur auf einen Ping und ist danach unerreichbar. Auch das WLAN-Netz hieß (entgegen anderslautender Information in der Willkommens-Email) einfach MAGNET.

Des Rätsels Lösung ist, dass Magnet die Firmware so modifiziert hat, dass die Funktionen dem Nutzer nicht direkt über eine Schnittstelle zur Verfügung stehen. Stattdessen konfiguriert sich das Modem nach der ersten Verbindung selbstständig (die SSID ändert sich, ein Passwort wird konfiguriert). Anschließend spuckt es für jedes anfragende Gerät via DHCP je eine öffentliche IP-Adresse aus. Ich habe das mit drei Geräten gleichzeitig getestet, Adressmangel scheint es bei Magnet also nicht zu geben ;-). PPPoE-Zugangsdaten musste ich übrigens nicht eingeben. Das Gerät funktioniert einfach direkt nach dem Einstecken, ohne dass der Hersteller die Firmware für jeden Kunden anpassen muss.

Der Ansatz, das Gerät komplett fernzuwarten und keinerlei durch den Benutzer einzustellende Optionen zu haben, macht es für Magnet natürlich deutlich einfacher. Ein offensichtlicher Nachteil ist natürlich, dass der Benutzer das WLAN-Passwort nicht ändern kann, ohne den Provider zu bitten. Weiterhin ist die Tatsache, dass das Gerät kein NAT macht aus technischer Sicht zu begrüßen, hat aber den unangenehmen Nebeneffekt, dass man, nachdem man den Computer aus dem Standby aufweckt, erstmal einige Zeit warten muss, bis man eine aktuelle IP-Adresse bekommt (die alte wurde zwischenzeitlich neu vergeben). Eine bessere Lösung ist die von deutschen Kabel-Anbietern, nämlich die IP-Adresse(n) auf dem Modem zu behalten und immer wieder herauszugeben. Auch schon eine deutlich höhere Leasetime würde hier helfen.

Abschließend finde ich den von Magnet gewählten Ansatz technisch simpel und bestechend, er ist aber in der Praxis nicht ganz so komfortabel (für meine Anwendung) wie andere Lösungen. Insbesondere die Tatsache, dass viele Iren letztendlich einen zusätzlichen Router kaufen und somit quasi zwei identische Geräte betreiben, kann man (u.a. aus Energiespargründen) nicht wirklich als sinnvoll erachten.

Geschwindigkeit und Stabilität

Von meinen Kollegen wurde ich gewarnt, dass die Internetleitungen hier oftmals überbucht sind. Offenbar betrifft das nicht nur inhärent geteilte Medien wie Kabel sondern auch die Anbindung der DSLAMs. An der Latenz und Stabilität habe ich nichts zu bemängeln. Interaktive Anwendungen auf deutschen Servern sind problemlos zu benutzen. Stabilitätsprobleme hatte ich lediglich einmal, als sich das Modem für ca. 5 Minuten nicht synchronisieren konnte.

Die erreichte Bandbreite auf meinem (bis zu 24 MBit/s-)Anschluss liegt bei ca. 9 MBit/s. Auf telefonische Nachfrage hin wurde mir mitgeteilt, dass mein Anschluss (vermutlich aufgrund von Entfernung zum DSLAM) ca. 10 MBit/s unterstützt und deshalb auf 9.2 MBit/s eingestellt wurde, damit er stabil läuft. Mit so einer direkten Aussage hätte ich nicht gerechnet – bei deutschen ISPs kriegt man die, meiner Erfahrung zufolge, nur als Geschäftskunde wenn man etwas nachhakt. Der Upload beträgt übrigens 1 MBit/s.

Fazit

Magnet hat ein attraktives Angebot und ist ganz klar ein eher technischer ISP (in der Art, wie sie mit ihren Kunden kommunizieren). Positiv überrascht war ich von der Offenheit und dem technischen Verständnis des Supports. Einen leicht negativen Beigeschmack hat das Modem, die Beweggründe dafür sind aber verständlich. Bisher hat alles gut geklappt und ich hoffe, dass das so bleibt :-).