Neuer Internetanschluss und VoIP-Flatrate (Alice/Arcor/congster/sipgate/bellshare)

(2007-08-21)

Vorsicht! Dieser Artikel spiegelt lediglich meine persönliche Erfahrung und Meinung!

Die hier aufgeführten Kritikpunkte sollen nicht zur Rufschädigung der Kritisierten führen.

Trotz der Existenz vieler ähnlicher Geschichten möchte ich meine Erfahrungen beim Suchen eines neuen DSL- und VoIP-Anbieters hier niederschreiben und hoffe, dass es den einen oder anderen vor einer Fehlentscheidung schützt oder dazu führt, einer meiner Empfehlungen nachzukommen.

Anforderungen

  • Auf 16 Mbit/s-aufstockbarer Internetanschluss oder von vorneherein 16 Mbit/s.
  • Echte Flatrate, keine Fair-Use-Flatrate, bei der nach 30 GB pro Monat gekündigt wird.
  • Telefonflatrate ins deutsche Festnetz.
  • Kompetenter Support, am besten kostenfrei.
  • Vollkommene Unabhängigkeit (was die Kundenseite betrifft) von der Telekom.
  • Preislich günstig – nicht mit allen Mitteln „Geiz ist geil” befolgen, aber auch nicht mehr als nötig bezahlen (also ca 50 € monatlich).

DSL: Alice

Alice liefert in einigen Gebieten (mehr dazu später) ein tolles All-in-one-Gerät aus, einen Sphairon Turbolink IAD, der eigentlich ein Router ist, aber von Alice zum Modem umfunktioniert wurde. Somit hat man also 4 Ethernet-Ports hinten, kann davon aber nur den ersten benutzen. Es gibt alternative Firmware-Images im Netz, mit denen man die ganze Funktionalität wiederherstellen kann, allerdings verletzt man dann die AGB von Alice und muss somit – sofern Alice das herausbekommt – ca 190 € für den Router zahlen, da man ihn unbrauchbar gemacht hat.

Nun gut, dieses Gerät muss also an die bestehende Leitung angeschlossen werden. Hier zeigte sich dann das erste Problem: In der spartanischen „Bedienungsanleitung” (Nein, es gibt auch keine im Netz) wird davon ausgegangen, dass eine TAE-Dose vorhanden ist. Die haben wir aber nicht. Die Telekom-Geräte können direkt mit der Zwei-Draht-Leitung verbunden werden. Das geht mit dem Sphairon Turbolink anscheinend nicht.

Somit müsste der Techniker also eine neue Dose bohren, wir alle Rechner ausschalten und aus dem Raum transportieren (wegen des Baustaubs) – na super.

Unsere ISDN-Telefonanlage wird übrigens auch mit zwei Drähten angeschlossen, wegen des Blitzschutzes soll hier auch kein normales ISDN-Kabel verwendet werden. Geht also auch nicht am Sphairon. Nach ein bisschen Suchen im Web bin ich dann auf das Hansenet-User-Forum gestoßen, wo von Problemen mit dem Sphairon berichtet wird. So gibt das Gerät anscheinend kein vollwertiges ISDN aus, sondern eines, welches auf Endgeräte (sprich: Telefone) ausgelegt ist und womit Telefonanlagen (insbesondere unser Modell) nicht klarkommen.

Und was hat das Gerät nun mit ISDN zu tun? Nunja, statt die Leitung aufzutrennen (Splitter-Funktionalität) wird eben nur die Internetleitung benutzt und darüber Voice-over-IP gefahren. Ein Anruf bei der Hotline bestätigte mir dies: „In Ihrem Gebiet können wir nur VoIP anbieten”. Auf der Website von Alice stand das allerdings nicht klar erkennbar.

Halten wir das also mal fest: Würden wir den Sphairon konfigurieren und Alice benutzen, würde sich folgendes ändern:

  • Wir müssten eine TAE-Dose montieren, obwohl alle Dosen belegt sind und die Kabel nicht gerade lang.
  • Wir müssten die Anordnung unserer Geräte an der Wand ändern und für die Telefonanlage einen neuen Blitzschutz besorgen.
  • Die Telefonanlage würde (eventuell nur bis zu einem Firmwareupdate vom Hersteller oder von Sphairon) garnicht funktionieren.
  • Würde sie funktionieren, hätten wir im Falle eines Internetausfalls nicht einmal mehr Telefon – ein gravierender Nachteil.
  • Laut Hansenet-User-Forum-Posts lässt die Sprachqualität und Zuverlässigkeit des Voice-over-IP-Dienstes zu wünschen übrig.

Alice kommt für uns also nicht in Frage. Der Gesamteindruck des Anbieters selbst bleibt jedoch positiv, da der Support kostenfrei, rund um die Uhr erreichbar und sehr nett ist. Auch die Stornierung des Auftrags lief ohne Probleme ab (und das einen Tag vor Anschalttermin). Sollte es also eines Tages bei Alice vollwertiges ISDN oder stabiles VoIP mit ausgereiften Geräten geben, könnten wir uns das durchaus nochmal überlegen.

Zusätzliche Anforderungen nach der Erfahrung mit Alice

  • Vollwertiges, mit einer Telefonanlage benutzbares, ISDN mit möglicher Rufnummerübernahme.

DSL: Arcor

Als einziger akzeptabler anderer Anbieter, der nicht offensichtlich von der Telekom abhängt beziehungsweise deren Leistungen verkauft, kommt Arcor in Frage. Nach der Pleite mit Alice gaben wir also bei Arcor den DSL-Anschluss inklusive ISDN in Auftrag.

Die Geräte, die Arcor liefert, sind einmal ein NTBA und Splitter in einem Gerät („NTsplit”) von der Firma Sphairon (nanu, die kennen wir doch? Hoffentlich ist das diesmal nicht wieder so ein tolles Gerät…) und ein Modem/Router, den wir allerdings vorerst nicht brauchen/benutzen wollen, da die bisherige Kombination aus dem Telekom-Modem und einem mit OpenWRT betriebenen Linksys WRT54GS super funktioniert.

Durch die Briefe, die Arcor schickte (4 Stück! Dabei hätte doch einer gelangt.), kamen Zweifel auf, da hier von dem Produkt „Arcor Sprache” gesprochen wurde, welches anscheinend ein VoIP-Anschluss ist (zumindest gab’s einen SIP-Server inklusive Logindaten). Nach Rücksprache mit der Hotline erfuhren wir dann, dass dieser Anschluss zusätzlich nutzbar ist, und auf jeden Fall echtes ISDN geschaltet wird.

Am Anschalttermin sollte um 8:00 alles bereit sein, also stellte ich die Zugangsdaten im OpenWRT um und hoffte, dass es auf Anhieb klappt, während ich in der Schule bin. Um 10:25 stellte ich (noch von der Schule aus) fest, dass der Telekom-Anschluss noch immer aktiv ist. Als ich dann gegen 13:30 nach Hause kam, baute OpenWRT eine Verbindung zu Arcor auf, die allerdings lediglich Hostname-Lookups durchließ. Beim Ansteuern einer beliebigen Website wurde mir dann eine Fehlermeldung von Arcor präsentiert: „Sie verwenden falsche Zugangsdaten oder die Zugangsdaten eines anderen Providers”.

Das stimmte, denn man gibt bei Arcor kein normalerweise übliches Suffix „@arcor.de” an, sondern nur Benutzername und Passwort, genau so, wie er im Brief steht. Nachdem ich das änderte, wurde eine vollwertige Verbindung aufgebaut.

Kurze Zwischenfrage: Wozu braucht Arcor meinen Benutzernamen und Kennwort, wenn sie doch meinen Anschluss freigeschaltet haben und ich ohnehin eine Flatrate habe? Der einzige Grund, der mir dazu einfällt, ist das Speichern von Verbindungsdaten. Schade.

Bevor ich so die Verbindung dann so richtig testen konnte (von den relativ niedrigen Pingzeiten von ca 15ms zu Google mal abgesehen), war sie auch schon wieder weg. Inklusive der Telefonleitung.

Nach Abwarten von 15 Minuten und dem Austausch des NTBAs, den wir für kaputt hielten, da die LED nicht mehr leuchtete, riefen wir bei der Hotline an, die uns dann mitteilte, dass tatsächlich eine Störung vorliegt und diese innerhalb von 24 Stunden behoben werden würde. Wäre ja auch zu schade, wenn eine Umstellung ’mal problemlos funktionieren würde ;-).

Am nächsten Tag, also 24 Stunden später, ging die Leitung dann allerdings noch immer nicht. Nach erneuten Anrufen der teilweise unfreundlichen Hotline, erreichten wir, dass der Arcor-Mitarbeiter den Auftrag an die Telekom herausgab – erst jetzt?! Der frühste Termin, dass der Techniker vorbeikäme, sei der morgige Mittag.

An besagtem Mittag, gegen 13:37 funktionierte dann erst die Telefonleitung und wenige Minuten später die Internetleitung wieder. Einen Techniker sahen wir nicht, allerdings hatten wir ja auch alles korrekt angeschlossen ;-).

Alles in allem läuft es nun jedoch ohne Ausfälle bisher und mit guter Geschwindigkeit. Die niedrigen Pingzeiten wurden übrigens dadurch erreicht, dass Interleaving bei Arcor standardmäßig ausgeschaltet ist (entspricht „Fast Path”).

VoIP: sipgate

Sipgate ist wohl der bekannteste deutsche VoIP-Provider, der eine Flatrate anbietet. Die Anmeldung verlief zunächst Problemlos, dann hing es jedoch an den Kontodaten, die vom System einfach nicht akzeptiert wurden. Eine leere Seite kam zurück, keine Fehlermeldung oder ähnliches. Nachdem ich alle Browser, die mir zur Verfügung standen, durchprobierte, entschied ich mich, noch einen Tag zu warten, vielleicht bemerkt sipgate ja den Fehler.

Nach ca. drei Tagen funktionierte dann die Eingabe der Bankdaten und es hing wieder, diesmal an der SCHUFA-Prüfung, die bei anderen Internetdiensten problemlos ablief bisher. Na gut, ich habe dann eine Email an den Support geschrieben und mich derweil mit der Einrichtung des sipgate-Kontos unter Asterisk beschäftigt. Das war nicht ganz trivial, funktionierte aber letztendlich dann doch.

Mittlerweile hatte ein sipgate-Mitarbeiter Kontakt zu mir aufgenommen (in die andere Richtung ist das aus Kostengründen nicht möglich, da sipgate eine sündhaft teure Hotline hat, und das als VoIP-Provider – das ist schon ironisch) und ich gab ihm manuell die Kontodaten durch. Auch diesmal funktionierte die SCHUFA-Prüfung nicht, sodass ich langsam die Lust verlor… Der Mitarbeiter sendete mir dann die Kontodaten zu, sodass ich wenigstens auf herkömmlichen Weg überweisen konnte.

Am selben Tag wurde ich dann darauf Aufmerksam, dass congster nun auch eine VoIP-Festnetz-Flatrate anbietet und kündigte somit kurzerhand den nicht funktionierenden sipgate-Account und richtete einen bei congster ein.

VoIP: congster

congster tritt auch bei VoIP-Anschlüssen als Reseller von T-Online auf (ist schließlich auch eine Tochterfirma), was man leicht an der IP des Servers erkennen kann. Die Einrichtung des Kontos verlief schnell und problemlos, ich habe ja auch schon einen Account bei congster für die DSL-Flatrate.

Nachdem ich die Einrichtung mit Asterisk hinbekam (siehe Artikel VoIP mit congster und asterisk), funktionierte die Telefonie gut. Eingehende und ausgehende Anrufe klappten auf Anhieb mit guter Qualität. Einziges Manko ist, dass man keine Ortsnetznummer für Heidelberg bekommt (allgemein gibt es keine Ortsnetznummern bei congster/T-Online für VoIP).

Wie oben beschrieben, planten wir jedoch, den Internetanbieter zu wechseln, sodass mit der Kündigung der Flatrate bei congster auch der VoIP-account verfällt – also auf zur letzten mir bekannten Alternative:

VoIP: bellshare

Bellshare (ehemals sipsnip) hat ein Webinterface, welches nach der problemlosen Anmeldung mit einem grandiosen Funktionsumfang glänzen kann. Die Bedienung ist übersichtlich und enthält viel mehr, als ich je von einem VoIP-Provider erwartet hätte. So kann man zum Beispiel eine Vorwahl definieren, über die man mit einem VoIP-Account eines anderen Anbieters heraustelefonieren kann (das ist für mich zwar dank Asterisk uninteressant, aber von Seiten Bellshares gut mitgedacht). Außerdem kann man sich Unterkonten anlegen und diesen bestimmte Rufnummern zuordnen und sich sehr einfach neue Rufnummern hinzukaufen. Die Mailbox- und SMS-Funktion sind ebenfalls über das Webinterface bedienbar.

Da meine Überweisung leider nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten ankam, ich aber meinem Vater eine VoIP-Rufnummer schenken wollte, bat ich den Support, mir eine zu reservieren. In der Antwort, die selbst zu später Uhrzeit schnell ankam, wurde mir freundlich der außergewöhnliche Weihnachtswunsch erfüllt – klasse!

Die Einrichtung im Asterisk verlief problemlos, auch mit den Unterkonten (ich habe für jede Rufnummer eins angelegt), vielleicht habe ich aber auch einfach langsam Übung darin ;-).

Die Sprachqualität und Zuverlässigkeit ist super. Alles in allem bin ich also hochzufrieden mit bellshare.

Allgemeine Anmerkungen zu VoIP

  • Man sollte wirklich Quality of Service am Router einrichten, sodass VoIP-Pakete immer durch die Leitung kommen, ansonsten bekommt man unter Umständen nur ein einseitiges oder gar kein Gespräch zustande.